| Viele Flughäfen haben ein ganz besonderes Haustier: Falken. Sie sollen andere Vögel von der Start- und Landebahn fernhalten. Der Vogelschlag ins Triebwerk ist nämlich bislang immer noch eine gefürchtete Gefahrenquelle für Flugzeuge. Die Forschungen bei dem weltweit grössten Triebwerkshersteller lassen dieses Problem nun Vergangenheit werden. GE Aircraft Engines, Tochter des Großkonzerns General Electric, bietet mit dem GE 90 ein Triebwerk an, das weitaus stabiler gegen Vogelschlag ist als andere Triebwerke. Durchschnittlich werden alle zwei bis drei Jahre neue Flugzeugvarianten konzipiert. Haben Hersteller eine neue Variante auf dem Reißbrett, geben sie die Anforderungen, die das Triebwerk erfüllen muss, an die Triebwerkersteller weiter. Diese arbeiten auf einem sehr begrenzten Markt. Neue Triebwerke entstehen daher im ständigen Dialog mit den Flugzeugherstellern aber auch mit der Konkurrenz. Grundsätzliches Ziel bei allen Triebwerkentwicklungen ist es, den Vortriebwirkungsgrad zu verbessern, sie also schneller, wirtschaftlicher, umweltschonender und gleichzeitig stärker zu machen. Denn durch steigende Passagierzahlen werden die Flugzeuge immer größer und schwerer. Als Boeing die Pläne der 777 vorstellte, war GE klar, dass ein ganz neues Triebwerk entwickelt werden müsste, um den geforderten Vortrieb bereitstellen zu können. Weil Kohlefaser neben der größeren Stabilität leichter und flexibler als Metall ist, wurde es in Triebwerken bereits früher in Gehäuseteilen und Austrittsleitschaufeln eingesetzt. Bei der Forschung zum GE 90 gelang GE 1995 der große Durchbruch. Es gelang den GE-Forschungslabors zum ersten Mal, Kohlefaser auch in den drehenden Teilen, also z.B. dem "Fan", einzusetzen. Es gab nur ein Problem: die Flugsicherheitsbehörden schreiben vor, in einem Test zu simulieren, was passiert, wenn ein Vogel ins Triebwerk fliegt und dadurch eine der "Fan"-Schaufeln abbricht. Der sogenannte "Blade-out"-Test wird vom den GEAE-Entwicklungslabors simuliert, indem eine Blattwurzel mit Sprengstoff gefüllt wird und dann bei laufendem Triebwerk gezündet wird, um so den Aufprall des Vogels und die dadurch entstehende Schäden zu simulieren. "Leider" zeigte sich das GE 90 Triebwerk bzw. die verwendete Kohlefaser als zu widerstandsfähig, um einen Schaufelbruch zu simulieren. Nachdem es endlich durch eine höhere Sprengladung gelang, ein Blatt vom Triebwerk zu trennen, offenbarte sich ein weiterer Vorteil der Kohlefaser. Das Material zerfällt in so kleine Teile, dass kein Sekundärschaden am Triebwerk entsteht. Einer der grundsätzlichen Unterschiede zwischen GE Aircraft Engines und deren Konkurrenz ist der: das Grundkonzept wird bei einer Triebwerksweiterentwicklung beibehalten und Innovationen in bestehende Triebwerkkonzepte integriert. Der große Vorteil für die Flugzeugbauer und die Fluggesellschaften ist daher, dass jede Weiterentwicklung auch in bereits existierende Triebwerke nachgerüstet werden kann. Der berüchtigte Vogelschlag gefährdet also die neuen GE 90-Triebwerke nicht. Einige Flughafen-Falken könnten daher in den nächsten Jahren ihren Job verlieren. Weitere Informationen finden sie unter: | Pressekontakt Related Links |